Die
Kunstwerke in der
Hainfelder Kirche und im alten Dorf

Hainfeld hat mit seiner 1718/19
umgestalteten Kirche „St. Barbara“ und mit den figürlichen
Darstellungen im alten Dorf eine ganz deutliche barocke Prägung,
die dem
Winzerdorf bis heute sein unverwechselbares Flair verleiht.
Es gibt freilich
einige deutlich ältere bauliche Elemente, die mit dem
Untergeschoss des Turms
in romanische Zeit zurückreichen, sowie bemerkenswerte
künstlerische
Darstellungen, die aus der Zeit der Gotik stammen. Eine beachtenswerte
Steinmetzarbeit
ist der reich gegliederte gotische Taufstein mit achteckigem Fuß
aus dem Jahr
1511, der heute im Zentrum des Chorturmes steht.
Der
Chorraum und seine
Fresken

Auffällig ist der
quadratische ehemalige Chorraum im Untergeschoss des Turmes. Das
Kreuzrippengewölbe läuft in einem sechszackigen Stern als
Gewölbeschlussstein
aus, seinerseits von sechs kleinen Sternen umgeben. Die Nordseite zeigt
–
leicht aus der Mitte nach rechts bzw. nach Osten versetzt – eine
gotische
Tabernakelnische für die Aufbewahrung des Altarsakramentes. Die
Sandsteinumfassung läuft in einem gotischen Spitzbogen aus und
zeigt im Auszug,
zwischen filigranen Bögen, eine fünfblättrige Rosette.
Wand- und
Deckenfelder des Chors sowie die tiefe östliche Fensternische
enthalten
al-secco-Fresken etwa aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, die 1968 bis
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freigelegt wurden. Gut erhalten ist im östlichen Gewölbefeld
die beherrschende
und zentrale Darstellung Christi als König, eingefasst von einer
Mandorla,
einem mandelförmigen Heiligenschein, der die gesamte Darstellung
umfasst. Aus
dem Mund Christi gehen zwei Schwerter aus. Es handelt sich also um eine
Endgerichtsszene. Zur Rechten Christi kniet Maria, zur Linken Johannes
der
Täufer. Die Szene wird vervollständigt durch Auferstehende.
Im nördlichen Gewölbefeld ist
der Zug der Seligen zum
Himmelstor, im südlichen Feld der Zug der Verdammten zur
Hölle zu sehen,
teilweise nur noch zu erahnen. Im Westen, also gegenüber der
Herrscherdarstellung Christi, ist als Entsprechung das Antlitz Christi
auf dem
Schweißtuch der Veronika zu sehen, es wird von zwei Engeln
gehalten.
Teilweise recht gut
zu erkennen sind die Symbole der vier Evangelisten im südlichen,
westlichen und
nördlichen Gewölbefeld: ein Engel stellt Matthäus dar,
der zudem ein Spruchband
mit seinem Namen trägt. Auch der Stier für den Evangelisten
Lukas ist noch zu
erkennen, nicht mehr jedoch der Adler als Symbol für Johannes. Vom
Löwen des Markus
sind nur noch die Tatzen erhalten. Rankenwerk als Hinweis auf die
geschaffene
irdische Welt sowie Sterne als Hinweis auf das Göttlich-Jenseitige
vervollständigen
die ausgemalten Wand- und Gewölbefelder bzw. bilden ihren
Hintergrund.
Das
gotische Barbarafresko
im Turmfenster
Für die Tradition
der Barbaraverehrung in Hainfeld ist das tiefliegende östliche
Fenster der
alten Chorvierung wichtig. Rechts neben dem Fenster ist der heilige
Andreas mit
dem Andreaskreuz dargestellt, links davon ein weiterer Heiliger. In der
Fensternische selbst ist rechts, am südlichen Gewände, die
heilige Katharina
mit ihren Attributen Rad und Schwert dargestellt. Auf dem linken,
südlichen
Nischenfeld dieses Ostfensters befindet sich das Fresko der heiligen
Barbara,
die kunsthistorisch wichtigste Barbaradarstellung der Hainfelder
Kirche. Die
etwa 110 cm hohe Darstellung zeigt die bekrönte Heilige mit
auffällig großem,
leuchtendem Nimbus, der am Rand ornamental verziert ist. Die
Blattverzierung
des Kronreifs der hohen Krone besteht aus drei großen
Rebblättern, die in den
Heiligenschein hineinragen. Sie ist also mit einer Rebenkrone wie eine
Königin
gekrönt – eine in dieser Form einmalige künstlerische
Darstellung. Die im
linken Halbprofil zu sehende Heilige schaut aus der Fensternische in
die
Turmvierung, die ja Altarraum war, hinein. Sie neigt den Kopf leicht
nach
vorne. In ihrer rechten Hand hält sie ihr Attribut, den Turm mit
drei nebeneinander
liegenden Fenstern, die auf die Dreifaltigkeit verweisen. Das Gewand –
von
einer Halsschließe abgeschlossen – zeigt einfache, lang
herunterfließende
gotische Formen. Die Farbe des Untergewandes ist ein dunkles Rostrot,
die Farben
des Übergewandes spielen zwischen weiß und gelb. Die linke
Hand der
Heiligen rafft das übergeworfene
Übergewand, so dass die Falten in diese Hand münden und auch
wieder von ihr
ausgehen. Die heilige Barbara steht auf gelbem bis rostrotem,
hügeligem Grund
und ist von recht üppig rankendem grünem Blattwerk umgeben.
Die barocke Ausstattung
der Kirche
a) Der Hochaltar
Bei
dem Umbau der Kirche 1718 wurde das
Patrozinium von Jakobus dem Älteren auf die heilige Barbara
übertragen und die
Kirche neu ausgestattet. Sie erhielt ein mächtiges, reich mit
einem Tafelbild
der heiligen Barbara und Skulpturen ausgestattetes barockes
Hochaltar-Retabel.
Das 1719 von Joseph Seidler gemalte Altarblatt zeigt die Aufnahme der
Heiligen
in den Himmel. Neben dem Hochaltarblatt und dem Tabernakel, neben dem
links und
rechts je zwei kleine Statuetten der Evangelisten stehen,
sind –
figürlich ausgearbeitet – die Apostelfürsten aufgestellt:
Petrus (in der
Draufsicht links) mit Buch und Schlüssel, Paulus rechts mit Buch
und Schwert,
jeweils zwischen marmorierten Säulen, deren äußere
schräg nach hinten stehen.
Die Skulpturen auf dem Altarabschluss oben zeigen -
von links nach rechts – den Apostel und
Pilgervater Jakobus den Älteren mit dem Pilgerstab als den Patron
der Vorgängerkirche,
Johannes den Täufer, in der Mitte als Symbol der Eucharistie einen
Pelikan mit
Jungen, daneben den heiligen Nepomuk und rechts außen Antonius
von Padua mit
dem Jesuskind.
Sehr bewegungsreich ist das Hochaltarblatt
mit der Aufnahme Barbaras in den Himmel. Die sich über den
Tabernakel erhebende
Bildarkade zeigt die Heilige in
pathetischer Gebärde. Die Darstellung passt mit ihrem deutlich
sakramentalen
Bezug zur zeittypischen Auffassung. Über der in wallenden
Gewändern in den
Himmel entschwebenden Barbara tragen zwei Engelputten Blumenkranz und
Lilie
sowie den Kelch und die Märtyrerpalme heran. Links neben der
Hauptfigur trägt
ein Engel den dunklen Turm mit den drei Fenstern, darunter reicht eine
Putte
einen wunderschön ausgemalten Strauß weißer und roter
Rosen mit einer gelben
Rispe. Der Engel rechts neben Barbara hält das
Hinrichtungsschwert. Unter der
Hauptszene sind – vom Tabernakel verdeckt – zwei kleine Nebenszenen zu
sehen.
Rechts unten ist Barbara, mit Krone, Nimbus, Kelch und Hostie, einer
Sterbenden
zugewandt. Links unten ist die Hinrichtungsszene dargestellt. Das
Altarblatt,
etwa 220 cm hoch und oben rundbogig abschließend, ist von einem
Goldrahmen mit
reichverziertem Akanthusblattwerk eingefasst.
b)
Die
barocken
Seitenaltäre
Der linke Seitenaltar zeigt, zwischen je
zwei Säulen, in der Mitte die bekrönte Maria mit Kind auf der
schlangenumwundenen Erdkugel. Die Marienfigur ist ganz leicht und sehr
elegant
zu einem verhaltenen S geschwungen Das Jesuskind hält in starker
Bewegung einen
lanzenartigen Stab, der auf die Schlange weist. Die zentrale, erhaben
stehende
Figur Mariens ist umgeben von ihren Eltern Joachim und Anna. Joachim
hält die
bewegte kindliche Maria an seiner linken
Hand.
Der
rechte
Seitenaltar ist ein Musterbeispiel eines volksbarocken Heiligenaltars
–
er ist nämlich den drei Pestheiligen St. Sebastian (Mitte), St.
Wendel (links)
und St. Rochus geweiht. Schnell, wie die Pfeile der römischen
Soldaten auf den
heiligen Märtyrer Sebastian flogen, kamen die Pfeile der Pest an
den Menschen –
so die volkstümliche Analogiedeutung. St. Wendel – als
Schäfer dargestellt –
war der Viehpatron, Rochus der Patron gegen die Pocken
c) Die barocke Kanzel,
das Kreuz und die Empore
Auch die
sechseckige Kanzel mit
ihrem mächtigen Schalldeckel stammt aus der Zeit der
Barockausstattung. An vier
Seitenflächen der Kanzel sind die großen
abendländischen Kirchenväter
Hieronymus, Augustinus, Gregor und Ambrosius figürlich
dargestellt. Auf der
Krone des Schalldeckels ist St. Michael mit der Waage und dem Schwert
zu sehen.
Eine kleine, liebenswerte Besonderheit: Auf einer Waagschale liegen
eine Ähre
und eine Weinbeere als Symbole der Eucharistie – damit sorgt Michael
dafür,
dass der Verstorbene nicht als zu leicht gewogen wird und verhilft ihm so in den Himmel. An der Wand zwischen Kanzel
und Schalldeckel ist das Bild des guten Hirten zu sehen. Die Kanzel
läuft aus
in einer großen Traube, die das Kunstwerk nach unten
abschließt.
Gegenüber an der
Südwand des Langhauses befindet sich das mächtige barocke
Kruzifix. Hochaltar,
Kanzel und Kruzifix bilden so ein imaginäres Dreieck von
großer Aussagekraft,
das den Glauben feiert, auslegt und im Bild vorstellt.
Neben der Kanzel
ist noch eine barock-schwungvolle Statue der hl. Barbara zu sehen. Sie
ist
bekleidet mit einem Diakonengewand und trägt den Kelch mit der
Hostie und die
Märtyrerpalme. Ein Goldreif deutet den Nimbus an. – Ein Marien-
und ein
Barbaragemälde ergänzen die Bildausstattung der Kirche. Die
Walcker-Orgel auf
der barocken, pfeilergetragenen Empore stammt aus dem Jahr 1891.
Die
Fenster aus dem späten
19. und dem 20. Jahrhundert
Die Fenster im Langhaus stammen aus dem Ende des 19. Jahrhunderts
und zeigen auf der Südseite den hl.
Johannes sowie die Geburt Jesu, auf der Nordseite St. Georg und den
Drachen,
die Kreuzigungsgruppe und und Mariae
Himmelfahrt. Die modernen Fenster im Chor stammen von der
Künstlerin Anni
Nuding und symbolisieren das Alte Testament sowie die sieben Sakramente
der
Kirche. – Ambo und Zelebrationsaltar wurden im Rahmen der Restaurierung
2002
neu geschaffen.
 
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