Für den schnellen Einkauf

Dorfladen-Eröffnung rückt näher.
Im Frühjahr 2021 will Hainfelder Dorfladen an den Start gehen

HAINFELD. In vielen Gemeinden sind in den letzten Jahren die gewohnten Einkaufsmöglichkeiten für die Dorfbevölkerung verschwunden. Der beliebte „Tante-Emma-Laden“ ist oft nur noch Teil längst vergangener Dorfgeschichte. Auch in Hainfeld geht seit einigen Jahren, abgesehen von einem kurzen Intermezzo einer Bäckerei, die hier eine Filiale betrieb, nichts mehr. Doch nun gibt es Licht am Ende des Tunnels. „Weck & Ebbes“ – Dorfladen Hainfeld w.V. heißt die Zauberformel.

Am 5. August 2020 gründeten zwölf örtliche Bürgerinnen und Bürger den wirtschaftlichen Verein mit dem Ziel, über kurz oder lang, in Hainfeld einen Laden einzurichten. Im Februar 2020 hatte es zu Hause bei Birgit Taglieber, die nun auch mit an vorderster Front im Verein engagiert ist, ein erstes Treffen gegeben. Tagliebers damalige knallharte Aussage „Wir machen Nägel mit Köpfen!“ mündete schließlich in die Vereinsgründung. Mittlerweile liegt die Mitgliederzahl schon bei knapp über 40 Personen, Tendenz steigend!

In Dorfladen sollen sich Einheimische, Bürgerinnen und Bürger aus Nachbargemeinden, aber auch die sich im „Weinort in Barock“ unter normalen Umständen zahlreich tummelnden Gäste, mit Waren des täglichen Bedarfs eindecken können. Eva Brüning, die als erste Vorsitzende fungiert und Schatzmeisterin Monika Mohr sprechen bei der Umsetzung des Vorhabens von einem Kraftakt. Was aber ist die Motivation für die beiden, sowie für die zweite Vorsitzende Stefanie Stuzenberger, Schriftführerin Iris Zerger und acht weitere Personen der Vorstandschaft das Projekt anzugehen?

„Endlich wieder den Geruch von frischem Brot, Brötchen und sonstigen Backwaren in der Dorfmitte in der Nase zu haben, aber auch beim Einkauf noch ein kleines Schwätzchen halten“, nennen sie Triebfedern ihres Engagements. Aber auch ganz pragmatisch wird gedacht. Butter oder Mehl beim Einkauf vergessen? Macht nichts. Das Auto bleibt stehen, denn jetzt kann man schnell zum „Weck & Ebbes“ springen. Dort gibt’s dann noch leckeren Käse, knackiges Gemüse, frische Eier und auch etwas Wurst. Dabei setzt das Dorfladenteam in erster Linie auf qualitativ hochwertige Produkte aus der Region, womit man auch dem Klimaschutz dienen und die heimische Wirtschaft fördern will.

Wein von örtlichen Winzern, wird im Dorfladen wohl eher nicht zum Verkauf angeboten, eher will man ein paar Flaschen werbewirksam im Laden platzieren, um die Kunden auf die Weingüter aufmerksam zu machen. „Bei den Winzern wollen wir uns aber heute schon bedanken. Es ist einfach ganz hervorragend, wie sie unsere Arbeit von Beginn an unterstützen und dies auch künftig tun wollen“ freut sich Eva Brüning.

Entstehen soll ein hübsches Lädchen zum Wohlfühlen, in dem alle gern einkaufen, und auch mal auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen bleiben. Aber auch an die Kinder wird gedacht. Für diese will man beispielsweise eine „Schülertüte“ mit gesunden Pausenbrötchen als Inhalt anbieten.   

Die Vereinsmitglieder gehen mit viel Energie, Engagement und Begeisterung die Sache an, geben sich aber realistisch, schließlich hänge der Erfolg doch letztlich zu einhundert Prozent davon ab, wie der Laden von der Bevölkerung angenommen wird. „Wenn am Ende alle sagen `Ach Gott hänn die tolle Sache do gehe mer hie´, dann haben wir schon viel erreicht.

Dazu kommt es noch darauf an, dass unser finanzieller Atem reicht“ erklärt Eva Brüning. Dass es gleich zu Beginn ein paar Atemzüge mehr werden, dafür hat auch der Ortsgemeinderat gesorgt, der das Projekt mit 5.000 Euro unterstützt.

„Der Gemeinderat steht geschlossen hinter der Arbeit und den Zielen des Vereins“ sagt Ortsbürgermeister Wolfgang Schwarz.

Insgesamt lässt sich der Verein sein Vorhaben einige tausend Euro kosten. So erstand er zuletzt im Saarland eine Verkaufstheke, zerlegte diese vor Ort und brachte sie nach Hainfeld. Dort liegt sie jetzt zusammen mit anderem Material in den Räumlichkeiten der ehemaligen Bäckerei Lock, wo der Dorfladen seine Heimat finden soll. Noch bedarf es reichlich Phantasie, um sich vorzustellen, wie der Verkaufsraum einmal aussehen wird. Dass soll sich in den nächsten Wochen ändern, wenn aus Vorstellungskraft und Ideen mittels Tatkraft Realität wird. „Wir freuen uns über jede und jeden, die uns tatkräftig unterstützen, sei es durch Streich-, Tapezier- und sonstige Handwerkerarbeiten, oder auch später im Verkauf“ sagt Monika Mohr.

Gestaltungsideen gibt es aber nicht nur für das Innere. So wäre ein Neuanstrich der Außenfassade, den man mittels Fotomontage bereits entwickelt hat, ein echter Blickfang. Dort wo jetzt noch der Schriftzug „Bäckerei Lock“ prangt, sieht die Montage an gleicher Stelle in großen Lettern „Weck & Ebbes“ vor. Ein echter Eyecatcher. Fast schade, dass der Gebäudebesitzer bislang noch lieber den alten Schriftzug, der auf die Geschichte seiner Bäckerei verweist, behalten möchte. Aber vielleicht ändert er seine Meinung ja noch, besonders dann, wenn der neue Dorfladen mal so richtig läuft.

Gewinne zu erzielen steht erstmal nicht auf der Agenda, stellt Eva Brüning fest. „Sollte es uns nach einer gewissen Anlaufzeit wirklich gelingen mit dem Dorfladen ein Plus zu erzielen, so werden wir dieses für caritative Zwecke verwenden“ stellt sie fest. Eingehen wird man eine Kooperation mit dem Dorfladen in Landau-Arzheim, wodurch man sich hinsichtlich der Einkäufe finanzielle Vorteile verspricht.

Personell will man auf eine fest angestellte Verkaufskraft setzen, die von Minijobbern und Ehrenamtlichen unterstützt wird.

„Es war ein steiniger Weg einen wirtschaftlichen Verein einzurichten“ sagt Monika Mohr. Rheinland-Pfalz sei eines der wenigen Bundesländer, die solchen Vereinen Rechtsfähigkeit verleiht. Auch sei es schwierig diesen Verein als Gemeinnützig anerkennen zu lassen. Die Gemeinnützigkeit erleichtert es aber Spenden zu rekrutieren, da dann auch entsprechende Quittungen ausgestellt werden dürften.

Eine andere Prämisse des Vorhabens macht Eva Brüning noch deutlich.„Man geht ja meist, wenn es um einen Dorfladen geht, davon aus, dass vor allem ältere Menschen, die vielleicht nicht mehr so mobil sind, hier im Dorf dann einkaufen können. Das ist aber nicht unsere vordergründige Intention. Wir wollen für Menschen jeden Alters da sein“ sagt sie. Dabei erinnert sie sich gerne an die eigene Kindheit zurück, als sie als junges Mädchen von ihrer Mama zum Einkaufen zum Bäcker und Metzger ins Dorf geschickt wurde. „Warum soll das denn heute nicht auch noch möglich sein“ stellt sie mehr fest, als dass sie fragt.

Der Laden soll montags, mittwochs, donnerstags und freitags ganztägig geöffnet sein. Dienstags, samstags und sonntags hat man vormittags die Möglichkeit zum Einkauf.

Infos: dorfladen.hainfeld.de

Text: Heinz Lambert, Burrweiler

Moni und Peter Mohr bei der Advents-Aktion des Dorfladens Hainfeld.