Das mittelalterliche Hainfeld im Überblick

(von Carl Werner Müller)

781 Nach Michael Fry (1836) die älteste Erwähnung des Ortes unter dem Namen ‚Stratfeld‘ im Güterverzeichnis des Klosters Lorsch. Die Gleichsetzung ist umstritten, unbestritten ist, dass Hainfeld zu den Orten gehört, die damals schon bestanden.
vor 1100 Erste bekannte Erwähnung des Ortsnamens als Weinbaugemeinde und einer Mühle im Dorf. Weinbau und Wasserkraft (Modenbach) sind die beiden Güter, auf denen der Wohlstand des Ortes über die Jahrhunderte hinweg beruht.
1109 Marquard von Hainfeld. Ältester bekannter Name eines Einwohners Hainfelds. Er stammte aus einer vornehmen Adelsfamilie und besaß die Ortsherrschaft, vermutlich als Lehen des Klosters Weißenburg. Seine Söhne (oder Enkel?) heißen Marquard (1153 – 1168 erwähnt), Erlefried (1155), Gottfried (1157). Gegen Ende des Jahrhunderts stirbt die Familie aus.
um 1190 Nachfolger in der Ortsherrschaft ist eine Niederadelsfamilie aus dem Kreis des Dienstadels der staufischen Kaiser (Reichsministerialität). Vermutlich der erste Inhaber der Ortsherrschaft erbaut um 1200 die Hainfelder Jakobskirche als Eigenkirche, deren Chorturm-Geschoß aus dieser Zeit erhalten ist. Erst 1335, als sie die Ortsherrschaft schon seit längerem verloren hatte, verzichtet die Famile förmlich auf das Recht, die Pfarrstelle zu besetzen.
1255 In der dritten Generation sind die Brüder Walter (1255 – 1275, gest. vor 1294) und Johannes (1256, 1277, gest. vor 1305) von Hainfeld ortsansässig. Ein dritter Bruder, Jakob von Hainfeld (1275, 1288), wohnt in Friesenheim.
1275 Jakob von Hainfeld verkauft 2½ Morgen Wingerte und vier Hofstellen an das Stift St. German in Speyer, um sie anschließend in Erbpacht zu nehmen. Der Vertragstext enthält die ersten namentlich genannten Hainfelder (leibeigenen) Bauern: Klepher, Leutold, Hennengi
1288 Jakob von Hainfeld verkauft 13 Morgen Ackerland in der Pleike [Blenk] und der Rudernhart an den Abt Edelin von Weißenburg, die er anschließend als Weißenburger Lehen zurückerhält. Dafür darf er 2 Morgen Weinberge, die er als Weißenburger Lehen besaß, an das Kloster Eußerthal verkaufen.
1273-1291 Die Herren von Hainfeld verlieren die Ortsherrschaft. Während der Regierungszeit König Rudolfs von Habsburg, Vogt des Reichklosters Weißenburg, kommt Hainfeld, möglicherweise als Weißenburger Lehen, in den Besitz Ottos IV. von Ochsenstein, eines Neffen des Königs.
1321-1337 In der Amtszeit des Weißenburger Abtes Johannes fällt Hainfeld an das Kloster zurück. In der Folgezeit wird die eine Hälfte des Lehens an Otto VI. von Ochsenstein vergeben, die andere an Heinrich von Metz; 1369 kauft die Abtei diese Hälfte wieder zurück.
1335 Der Edelknecht (der Ritterschlag kommt aus der Mode) Nikolaus von Hainfeld verzichtet zugunsten seines Landesherrn, des Abtes von Weißenburg, für sich, seine Kinder Johannes, Jakob und Anna sowie alle Nachkommen auf alle Rechte in Verbindung mit der Hainfelder Jakobskirche, vor allem auf das Recht der Besetzung der Pfarrpfründe.
1375 Erwähnung der Mittelmühle in Weißenburger Besitz. Ihren Namen trägt sie nach der Lage zwischen der Hainfelder Dorfmühle und der Buschmühle (die Burrweiler Mühle gab es damals noch nicht).
1405  Bischof Raban von Speyer erwirbt ein Viertel von Hainfeld. 1408 verpfändet ihm Friedrich von Ochsenstein ein weiteres Viertel des Ortes, das aber nach seinem Tod von seinen Brüdern 1416 wird er eingelöst wird. – Es gab keine Realaufteilung des Dorfes zwischen den drei Anteilseignern. Sie bestellten einen gemeinsamen Schultheiß und teilten die Einnahmen im Verhältnis 2 (Weißenburg) zu 1 (Ochensteiner) zu 1 (bischöflich). Die Dominanz des Klosters Weißenburg beweisen noch heute die Hainfelder Gemarkungssteine mit dem Petersschlüssel an der Grenze zu Burrweiler und Weyher. – Die angebliche spätere Ortsteilung in einen Speyerer und einen Dahner Teil (Dorfüberlieferung) beruht auf einer irrtümlichen Auslegung der Bezeichnung „Dahnerscheid“ für den südlichen Teil der Dorfstraße in Richtung Flemlingen. Die Herren von Dahn haben nie Herrschaftsrechte in Hainfeld ausgeübt, wohl aber in Burrweiler, Flemlingen und Roschbach. Der Name „Dahnescheid“ in Hainfeld meint die Straße, die zur „Dahner Grenze“ führte, die nicht weit vom südlichen Ortsausgang verlief.
1422 In der Auseinandersetzung der Reichsstadt Speyer mit Bischof Raban von Helmstadt gehören Johann von Hainfeld und sein gleichnamiger Sohn zu den zahlreichen Vertretern der Ritterschaft, die Fehdebriefe an Bischof Raban schicken.
1465/1470 Erstes erhaltenes Einwohnerverzeichnis von Hainfeld, das Bischof Matthias Ramung anlegen ließ, zählt 84 Erwachsene, davon 16 Leibeigene der „Frau zu Hainfeld“. Mit ihrem Tod erlischt die Familie der Herren von Hainfeld.
1482 Das Kloster Weißenburg verkauft seinen Anteil (die Hälfte) der Hainfelder Ortsherrschaft an das Speyerer Domkapitel.
1485 Nach dem Tod des letzten Ochsensteiners fällt sein Viertelanteil von Hainfeld an das Domkapitel als Rechtsnachfolger des Klosters Weißenburg.
1487 Das Domkapitel verkauft seinen Dreiviertelanteil an Hainfeld an  Bischof Ludwig von Helmstadt. Damit ist ganz Hainfeld bischöflich.
1508/1509 Neubau des spätgotischen Kirchenschiffs durch die Ortsgemeinde, vermutlich unter Verwendung der Baumaterialien der abgetragenen Hainfelder Burg. Das Domkapitel, obgleich Inhaber des Zehnten, verweigert einen Kostenzuschuß. 1511 erhält Hainfeld das Taufrecht, das bis dahin beim Pfarrer von Edesheim gelegen hatte. Auf dem neuen Hainfelder Taufstein finden sich die Zeichen von drei dörflichen Amtsträgern.
1530 Das Einwohnerverzeichnis von Hainfeld des Bischofs Philipp von Flersheim zählt 272 Einwohner in 75 Häusern.

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